Forest Expert Program - Behruz Ilnazarov, Tadjikistan

Waldüberwachungsmethodik

von Behruz Ilnazarov, Tadschikistan, über seine Zeit in Deutschland im September 2016

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und fünf Jahren Bürgerkrieg in Tadschikistan wurde der Wald fast zerstört. Aufgrund der hohen Armutsquote, insbesondere auf dem Land, stehen die verbleibenden Wälder nach wie vor unter hohem Druck. Hauptsächlich werden auf dem Land der Staatlichen Forstbehörde (SFA) Wälder für die Brennholzgewinnung genutzt.

Im März 2013 startete ein GIZ-Projekt „Anpassung an den Klimawandel durch nachhaltige Waldbewirtschaftung“. Ziel des Projekts ist es, den Staatswald Tadschikistans bei der Entwicklung von Ansätzen für nachhaltiges Wirtschaften zu unterstützen sowie technische Ratschläge und Kapazitätsaufbau bereitzustellen für SFA-Mitarbeiter. Im Rahmen des Projektes bin ich verantwortlich für das technische Backstopping der SFA-Mitarbeiter zu Fragen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung und -überwachung.

Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Land- und Forstwirtschaft (12.09.2016)
Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Land- und Forstwirtschaft hat es sich zum Ziel gesetzt, die Unternehmer im nationalen und internationalen Wettbewerb zu stärken. Zu den guten Aspekten zählen die Aus- und Weiterbildung, Beratung, angewandte Forschung sowie die Förderung von land- und forstwirtschaftlichen Betrieben und die Ernährungserziehung. Im Rahmen des von der GIZ geförderten Projekts entwickelt die Staatliche Forstbehörde Tadschikistans ein Ausbildungsprogramm für Förster, das die Sensibilisierung der Bevölkerung vor Ort sowie die forstwirtschaftliche Ausbildung von Schulkindern beinhaltet. Dr. Franz-Josef Mayer, der im Ministerium für Bildung und Beratung zuständig ist, gab mir sehr hilfreiche Hinweise zur forstlichen Aufklärung und Bewusstseinsbildung. Während des Treffens mit der Abteilung Waldpädagogik und Waldforschung habe ich die aktuell geplanten Aktivitäten meiner Heimatinstitution vorgestellt, inklusive einiger Details und ein sehr gutes Feedback von Dr. Florian Zormaier und anderen Kollegen erhalten.

Aufgrund meines Hintergrunds interessierte ich mich hauptsächlich für die Anwendung von GIS und Fernerkundung in der Forstwirtschaft. Herr Johannes Loose, verantwortlich für Kommunikation und IT, stellte mir freundlicherweise das Forst-GIS-System des Ministeriums vor. Herr Loose ist Projektleiter des BayWIS (Bayerische Wald-Informationssystem), einem zentralen System zur Speicherung und Analyse aller GIS- und Statistikdaten. BayWIS wurde der Bayerischen Forstverwaltung 2012 vorgestellt und unterstützt rund 1200 Waldarbeiter sowie Waldbesitzer und Bürger mit regelmäßig aktualisierten GIS-Informationen. Erwähnenswert ist, dass die Anwendung offline in der Gesamtstruktur (getrennte Verwendung) oder online auf PCs an Büroarbeitsplätzen verwendet werden kann. Für die Förster und Feldmannschaften ist das System auf sogenannten Outdoor-Laptops installiert, die zur Erfassung der Informationen im Revier ausgelegt sind. Das System ist benutzerfreundlich und ist bei allen Benutzern sehr beliebt. Da in Tadschikistan die Staatliche Forstbehörde beabsichtigt, ein solches System für das gesamte Land einzurichten, wird es meines Erachtens im Hinblick auf die mögliche Zusammenarbeit nützlich sein, einen Austauschbesuch für eine kleine Gruppe aus Tadschikistan zu organisieren. Dies wird dazu beitragen, ein Grundwissen für die Forstverwaltung von Tadschikistan zu gewährleisten.
 
Bayerische Anstalt für Pflanzenzucht (13.09.2016 - 14.09.2016)
Die Bayerische Anstalt für Pflanzenzucht (ASP) war die nächste Gastanstalt, die ich während meines Praktikums besuchte. Das ASP-Institut ist verantwortlich für den Schutz der genetischen Ressourcen in den Wäldern Bayerns. Die Institutsleiterin Dr. Monika Konnert erläuterte mir kurz die Hauptziele des Instituts und informierte mich über die laufenden Experimente. Dies hat mir geholfen, die Bedeutung der genetischen Analyse und der genetischen Vielfalt besser zu verstehen. Angesichts der veränderten Umweltbedingungen und der starken Eingriffe des Menschen in die Wälder Tadschikistans wird die Errichtung einer solchen Einrichtung eine entscheidende Rolle bei der nachhaltigen Sanierung der tadschikischen Wälder spielen. Ich war an einer Expertengruppe beteiligt, bestehend aus Herrn Adreas Wurm und Herrn Sigi Krause, die mir freundlicherweise die Versuchsflächen des Instituts zeigten und eine kurze Ausstellung für Kindergärten organisierten. Das ASP hat eine reiche Erfahrung mit internationalen Projekten, die uns meiner Meinung nach dabei helfen werden, Kontakte zu pflegen und mögliche Wege der Zusammenarbeit zu finden.

Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) (15.09.2016 - 16.09.2016)
Die Bayerische Landesanstalt mit Sitz in Freising ist eine Sonderorganisation mit unterschiedlichen Abteilungen, die die Bayerische Forstverwaltung und deren Außenstellen in den Regionen unterstützt. Die Abteilung Informationstechnologie, die meine wichtigste Gastinstitution war, ist für den Aufbau und die Wartung von forstbezogenen Informationssystemen zuständig. Zunächst erhielt ich eine kurze Einführung durch den Abteilungsleiter, Herrn Dirk Schmechel, der mich freundlicherweise dem Expertenteam der Abteilung vorstellte. Die Abteilung arbeitet hauptsächlich in drei Richtungen, und ich hatte die Gelegenheit, die verantwortliche Person für jedes Thema separat zu treffen. Im Bereich der Fernerkundung zeigte mir Dr. Christoph Straub einige Untersuchungen, die sie durchgeführt hatten, und wir diskutierten einige Details, die mich interessierten. Außerdem erläuterte ich Dr. Straub einige Aktivitäten, die ich in der Fernerkundung mache, und er lieferte sie sehr hilfreiche Ratschläge und Kommentare zu meiner Arbeit. Die LWF ist auch für die Verwaltung und Wartung der BayWIS-Plattform verantwortlich. Herr Michael Zwack stellte mir den Aufbau und die Zukunftsperspektive des Systems vor. Ich war sehr daran interessiert, von den möglichen Problemen zu hören, die beim Aufbau eines solchen Systems in meinem Heimatland auftreten könnten. Das technische Design und die Ausarbeitung neuer Module des Systems wird von Herrn Michael Schwall durchgeführt, der sich freundlicherweise bereit erklärte, mich bei der Ausarbeitung eines solchen Systems technisch zu unterstützen. Der allgemeine GIS-Teil wird von Dominic de Hasque übernommen, der auch für die Überwachung der Forstwirtschaft und die Inventarisierung verantwortlich ist und mit dem ich auch verschiedene GIS-Themen besprochen habe. Am letzten Tag besuchte ich den Forstgarten Grafrath, wo Herr Schmidt für uns eine kleine Führung durch den Garten organisierte und die Arten vorstellte, die im Garten wachsen.

Forest Eye research GmbH (19.09.2016 -23.09.2016)
Die ForestEye Research GmbH ist eine Ausgründung der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Universität Göttingen zur Beratung in den Bereichen Waldinventur und Fernerkundung. ForestEye verfügt über langjährige Erfahrung im Unterrichten von Aktivitäten in Bezug auf GIS und Waldüberwachung. Wir arbeiten seit 2014 eng mit ForestEye zusammen und haben bisher ein bedeutendes Ergebnis im Bereich der Waldüberwachung und -inventur erzielt. Die Wälder in Tadschikistan wurden nach dem Zerfall der Sowjetunion und insbesondere während des Bürgerkriegs zwischen 1992 und 1997 stark genutzt. Dies hat zu einer Waldbedeckung von rund zwei Prozent geführt und gefährdet wichtige Ökosystemleistungen. Die Waldinformationen wurden seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 nicht aktualisiert und die letzte Waldüberwachung (Bestandsaufnahme) wurde Mitte der 80er Jahre durchgeführt. Daher beschloss die GIZ, eine neue Waldüberwachungsmethode zu entwickeln, die insbesondere nach der Reform des allgemeinen Waldbewirtschaftungssystems und Änderungen des Forstgesetzbuchs Tadschikistans erforderlich ist. Dies wurde durch die Einbeziehung internationaler Beratungsunternehmen wie „ForestEye“ umgesetzt, die die staatliche Forstbehörde von Tadschikistan bei der Ausarbeitung der Waldinventurmethode für das ganze Land unterstützten. Diese Methode wird heute von der staatlichen Forstbehörde häufig für die Überwachung und Berichterstattung von Wäldern verwendet. Derzeit arbeiten wir mit Experten von „ForestEye“ an der Entwicklung einer Methodik für die Kartierung der Waldbedeckung unter Verwendung von Fernerkundungsmaterialien. In dieser Hinsicht bot mir das Forest-Expertenprogramm eine gute Gelegenheit, direkt im Büro „ForestEye“ zu arbeiten, und bot uns die Möglichkeit, alle Probleme, mit denen wir im Verlauf unserer Arbeit konfrontiert sind, operativ zu erörtern.

Ich begann mein Praktikum bei „ForestEye“ mit der Präsentation des aktuellen Status und der laufenden Aktivitäten der Waldüberwachung in Tadschikistan. Leider war meine Zeit mit „ForestEye“ sehr begrenzt und nach der Präsentation einigten wir uns auf bestimmte Aufgaben, die wir in diesem Zeitraum umsetzen konnten. Die Aufgaben umfassten Möglichkeiten zur Anwendung von Open Source-Fernerkundungssoftware für die Waldüberwachung und die Einführung in die OpenForris-Software für die Waldinventur und Datenverwaltung. Dr. Paul Magdon und Dr. Lutz Fehrmann haben langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Open Source Software. In dieser Zeit habe ich eine sehr gute Ausbildung zu diesem Thema erhalten. Wir haben uns darauf geeinigt, unsere Zusammenarbeit fortzusetzen, und einige mögliche Zukunftsaussichten für unsere gemeinsamen Aktivitäten erörtert.

Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (21.09.2016)
Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) wurde am 1. Februar 2006 als gemeinsames Institut der staatlichen Forschungsorganisation für Hessen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gegründet. Die NW-FVA ist verantwortlich für die angewandte Waldforschung und für die Beratung aller Waldbesitzer. Das Institut überwacht die Versuchsstandorte in den untergeordneten Gebieten und ist darüber hinaus für die Fortsetzung der alten preußischen Versuchsreihen in den Teilnehmerstaaten verantwortlich. Ich habe hauptsächlich die Abteilung für Waldschutz besucht, da diese auch für die Fernerkundung und die GIS-Analyse zuständig ist.

Aufgabe der Abteilung Waldschutz ist es, Waldschäden durch die Entwicklung und Umsetzung von Konzepten für einen integrierten Waldschutz zu verhindern. Die in der Praxis entwickelten Konzepte stehen allen Waldbesitzern zur Verfügung. Herr Christoph Fischer teilte mir freundlicherweise die Ergebnisse aktueller Studien seines Forschungsinstituts mit. Ich habe viele neue Möglichkeiten des Geodatenmanagements identifiziert.

Lehrstuhl für Waldinventur und Fernerkundung (26.09.2016 - 30.09.2016)
Die letzte Woche meines Praktikums habe ich am Lehrstuhl für Waldinventur und Fernerkundung an der Fakultät für Waldwissenschaften und Waldökologie der Universität Göttingen verbracht. Die frühere Methode zur Kartierung der Waldbedeckung in Tadschikistan basierte auf RapidEye-Bildern, die recht teuer sind und strenge Regeln für die Verteilung enthalten. Zum Glück gibt es heutzutage viele verschiedene Quellen für RS-Materialien, die unter bestimmten Bedingungen kostenlos genutzt werden können. Am Lehrstuhl für Fernerkundung analysierte ich mit Unterstützung von Dr. Hans Fuchs verschiedene Quellen von Satellitenbildern für die Durchführung einer Walddeckungskartierung und Waldüberwachung. Dr. Hans Fuchs hat früher mit Sentinel-Bildern, die von der ESA (European Space Agency) zur Verfügung gestellt wurden, eine Waldbedeckungskarte für verschiedene Waldtypen erstellt, mit der er bis dahin recht gute Erfahrungen gemacht hat. Die Sentinel-Satellitenmission wurde im Jahr 2014 gestartet und liefert multispektrale, hochauflösende Bilder in polarer Umlaufbahn für die Landüberwachung, z. B. von Vegetation, Boden- und Wasseroberfläche, Binnengewässern und Küstengebieten. Sentinel-2 kann auch Informationen für Rettungsdienste bereitstellen. Da ich von Dr. Hans Fuchs sowie von Paul Magdon und Lutz Ferhmann bei der Bildbearbeitung eine konstante Unterstützung hatte, haben wir mit den genannten Bildern fruchtbare Ergebnisse erzielt. Diese Ergebnisse werden für die Erfassung der Waldbedeckung in ganz Tadschikistan verwendet. Gleichzeitig führte ich andere Fernerkundungs- und GIS-Analysen für die Forstwirtschaft durch, die mir danach sehr geholfen haben.

Deutscher Forstverein (27.09.2016)
Gleichzeitig nahm ich während meines Praktikums in den Gastinstitutionen an einigen von der vom Deutschen Forstverein organisierten Exkursionen teil. Wir hatten eine wundervolle Tour in den Stadtwald Göttingen, wo ich einen Eindruck von verschiedenen Waldbewirtschaftungsmodellen bekam. Der Stadtwald Göttingen war in seiner langen Geschichte von der großen Verantwortung geprägt, die die Stadt seit Mitte des letzten Jahrtausends gegenüber ihrem eigenen Wald gezeigt hat. Bereits in den 1920er Jahren wurde eine erstaunlich moderne naturnahe Waldbewirtschaftung eingeführt. Wir hatten die Möglichkeit, verschiedene vorhandene Managementmodelle zu vergleichen. Aufgrund des lang anhaltenden naturnahen Bewirtschaftungsmodells besteht der Wald hauptsächlich aus natürlichen Arten wie Buche und Esche, die mit Ahorn gemischt sind. Diese Art von Wald ist auf lange Sicht offensichtlich widerstandsfähiger und produktiver. Die genannten Wälder mit unterschiedlichen Modellen wachsen auf separaten Versuchsstandorten, um die Unterschiede klar identifizieren zu können. Sie werden auch als Demonstrationspläne für Studierende und andere interessierte Gruppen verwendet. Herr Martin Levin, der örtliche Förster, gab mir freundlicherweise das Beispiel von Waldbewirtschaftungsplänen, an denen ich hauptsächlich interessiert war. Ich werde sie in meiner Arbeit als Beispiel für eine nachhaltige Bewirtschaftung weiter verwenden.

In meiner Freizeit habe ich auch viele interessante Orte besucht, an denen ich einen guten Eindruck von den traditionellen und kulturellen Werten Deutschlands bekam. Ich habe traditionelle Festivals in Bayern besucht und viele interessante Leute getroffen. Herr Marcus Kühling und Frau Sabine Schreiner organisierten mir einen Ausflug nach Hessen, wo wir die Rotwild-Brunft im Wald beobachteten, was für mich ein unvergesslicher Eindruck war.

Das Forest Expert Program bot mir gute Möglichkeiten, Deutschland zu besuchen, um verschiedene Methoden der nachhaltigen Bewirtschaftung zu untersuchen. Der Besuch der Gastinstitutionen half mir, die möglichen Wege einer möglichen Zusammenarbeit mit ihnen zu identifizieren, und ich erhielt viele Dokumentations- und Verteilungsmaterialien zu den spezifischen Themen, was mir danach sehr hilfreich war. Bei dieser Gelegenheit möchte ich den Gastinstituten für ihre Gastfreundschaft und die Zeit, die sie mir zur Verfügung gestellt haben, meinen Dank aussprechen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die während der Mission gewonnenen Kenntnisse und Erfahrungen mir helfen werden, die oben genannten Probleme des Forstsektors in meinem Heimatland anzugehen.

Ich danke vielmals für alles!